Mastercard testet Kreditkarte mit Fingerabdruck Sensor

Mastercard Fingerabdruck
Mastercard Fingerabdruck
Mastercard testet Kreditkarte mit Fingerabdruck Sensor

Der Kreditkartenanbieter MasterCard hat eine neue Karte mit dem biometrischen Sicherheitsmerkmal des Fingerabdrucks auf den Markt gebracht. Die PIN entfällt damit. MasterCard ist nicht der erste Anbieter, der so vorgeht. Biometrische Merkmale sollen die Sicherheit deutlich erhöhen, es gibt aber auch kritische Stimmen.

Terminal scannt den Fingerabdruck

Für die Identifizierung steckt der Nutzer seine MasterCard ins Terminal und legt den für den Scan gewählten Finger auf einen Sensor. Dieser erfasst den Abdruck und vergleicht ihn mit dem digitalen Abbild des hinterlegten Fingerabdrucks. Dieses Abbild ist verschlüsselt im EMV-Chip gespeichert. Das Hinterlegen von einem oder zwei Fingerabdrücken erfolgt bei der Bank, welche die MasterCard ausgegeben hat. Wichtig für die Händler: Die Bezahlterminals enthalten zwar nun den Fingerabdrucksensor, eine neue Software ist aber nicht erforderlich. Diese MasterCard inklusive der neuen Terminals wurde schon in Südafrika getestet, jetzt folgen Tests in Asien und Europa. Der MasterCard-Manager Ajay Bhalla versicherte in einem Statement, dass das biometrische Merkmal die Sicherheit sehr deutlich erhöhen werde. Es werde schließlich auch schon bei anderen Anwendungen wie dem Online-Einkauf oder dem Entsperren des Smartphones genutzt.

Sicherheitsgewinn gegenüber der PIN

Die PIN ist eigentlich sicher, weil sie zwar zu berechnen wäre, wenn jemand eine gestohlene Kreditkarte mithilfe einer entsprechenden Software checken würde – doch dieser Aufwand lohnt sich für die Beträge, die mit einer Kreditkarte abzuheben sind, nicht. Der Inhaber lässt sie in der Regel nach einem Verlust auch sehr schnell sperren. Dennoch gilt die PIN als Schwachstelle, weil sie viele Inhaber zusammen mit ihrer Kreditkarte in der Brieftasche aufbewahren. Daher gestehen Sicherheitsforscher wie der deutsche Softwareexperte Karsten Nohl dem biometrischen Scan auch einen Sicherheitsgewinn gegenüber der PIN zu. Dennoch sei das Fingerabdrucksystem “nicht absolut sicher”, so Nohl in einem Interview mit der BBC. Ein Fingerabdruck lässt sich kopieren, etwa von einem Glas, das der Kreditkartenbesitzer angefasst hat. Damit kann ein Krimineller eine Fingerabdrucks-Attrappe herstellen und die gestohlene Kreditkarte missbrauchen. Allerdings ist dieser Aufwand ähnlich hoch wie die Berechnung einer PIN mit einer Spezialsoftware, er lohnt sich also kaum. Wenn ein Inhaber seine Kreditkarte verliert, lässt er sie fast immer innerhalb der ersten 24 Stunden sperren. Am Geldautomaten kann ein Dieb in dieser Zeit für gewöhnlich höchstens 500 bis 1.000 Euro abheben, online vielleicht für etwas mehr Geld auf Shopping-Tour gehen, wobei er aber Spuren hinterlassen würde. Daher ist der Fingerabdruck-Sensor gegenüber einer mit der Kreditkarten zusammen aufbewahrten PIN wirklich ein Sicherheitsgewinn.

Vormarsch der Biometrie

MasterCard und andere Unternehmen befassen sich schon länger mit biometrischen Bezahlverfahren. Den Fingerabdruck-Sensor hatte der Kreditkartenanbieter schon 2014 erstmals präsentiert, beteiligt war das norwegische Start-up Zwipe. Die damalige Kreditkarte, die auch per NFC Kleinbeträge am Terminal zahlte oder deren Abhebung ermöglichte, wurde aber von den Verbrauchern schlecht angenommen. Seit 2016 können Kunden mit einer MasterCard Ihre Online-Einkäufe biometrisch betätigen. Experimentiert wurde außerdem mit dem “Zwinker-Selfie”, das sich aber bislang nicht durchgesetzt hat (der Kunde zwinkert in die Selfie-Kamera seines Smartphones, auch das ist biometrisch eindeutig). MasterCard ließ hierzu im Vorfeld umfangreiche Befragungen unter seinen Kunden durchführen, von denen 93 Prozent der biometrischen Identifizierung zustimmen. Eine dritte Variante wäre die Stimmerkennung, auch dieses Verfahren liegt noch auf Eis. Die biometrische MasterCard mit Fingerabdruck-Sensor soll aber nach einer Mitteilung des Unternehmens bis Ende 2017 weltweit verteilt werden.